In der Außen- und
Sicherheitspolitik Wird es für George W. Bush mit einem Demokratisch
Beherrschten Senat Schwieriger Werden, Seine Pläne zu Verwirklichen
Handelsblatt, May 29, 2001
Justin
Vaisse, Visiting Fellow, Center
on the U.S. and France
Als er sich entscholl, der
republikanischen Partei den Rücken zuzukehren, um weiterhin als unabhängiger
Senator zu agieren, legte James Jeffords aus Vermont die weitere Verantwortung um
Senat in die Hände der oppositionellen Demokraten. Nun sollten die Auswirkung
dieses Schritts für die amerikanische Außenpolitik nicht übertrieben werden:
Sie werden weniger weit reichend sein als die Füdie amerikanische
Innrerpolitik.
Nichtsdestoweniger: Dieser
Schritt wird Folgen haben. Eine davon wird sein, in Zukunft den Eindruck
abzumildern, den die Bush-Administration im Ausland, vor allem in Europa,
geweckt hat, wo sie als eine Administration wahrgenommen wurde, die eher dazu
neigt, mit selbstbewusster Attitüde bis hin zu kraftstrotzender Arroganz
aufzutreten.
Es ist dabei noch nicht
einmal unbedingt die neue Ein-Stimmnen-Mehrheit, von der die Demokraten nun
dank Jeffords Entschluss profitieren. Ganz im Gegenteil: Für Tom Daschle, den
neuen Mehrheitsvorsitzenden im Senat, kann es noch schwer werden, bei
Abstimmungen die eigenen Truppen immer und im jedem Fall hinter sich zu halten.
Nein, der eigentliche politische Zugewinn für die Demokraten hat—mindestens
fünf—andere Folgen.
Als Erstes sind es num die Demokraten—und nicht etwa das Weiße Haus—die den
Gesetzgebungsfahrplan im Senat kontrollieren. Nicht dass die Opposition nun ihr
eigenes "agenda setting" dem Präsidenten oder dem Repräsentantenhaus
aufzwingen könnte. Aber sie hat jetzt zumindest die Möglichkeit, Bushs Pläne zu
blockieren, aufzuschieben oder substantiell zu verändern und den Präsidenten
dazu zu zwingen, zu verhandeln, und Kompromisse einzugehen.
Zweitens: Die Vorsitze der
wichtigen Sentaskommittess gehen nun auf die Demokraten über. Für die Freunde
des internationalen Multilateralismus ist es dehalb mehr als ein gutes Zeichen,
dass Jesse Helms nach sechs Jahren vom Vorsitz des einflussreichen Auswärtigen
Ausschusses zurücktreten wird. Dort hat er in der Vergangenheit alles
darangesetzt—mit dem steten Hinweis auf die amerikanische
Unabhängigkeit—jeder Art von kooperativer US-Diplomatie und einem weiteren
Uno-Engagement Washingtons Steine in den Weg
Drittens haben die
Demokraten nun die Möglichekeit, Botschafter und Beauftrage des Präsidenten zu
bestätigen oder zu entlassen. Die meisteb dieser Spitzendiplomaten sind zwar
bereits im Amt bestätigt worden, doch noch muss über 436 von 491 Stellen
letzendlich entschieden werden, darunter über 40 von 48 Positionen im
Außenministerium und 36 von 46 Planstellen im Verteidigungsministerium.
Viertens haben die
Demokraten nun das Sagen bei allem, was Geld kostet, und somit einen Hebel in
der Hand, um mit dem Präsidenten zu feilschen.
Und Fünftens: Die
Demokratan haben nun eine prominente Platform, um die Bush-Administration zu
kritisieren. Die neue Mehrheit im Senat verschafft ihnen einen größeren Zugang
zu den Medien und damit die Möglichkeit, künftig mehr Einfluss auf die richtung
öffentlivher Debatten zu nehmen.
Aber noch einmal: Man soll
bei alldem den Einfluss der Demokraten bei der Ausformulierung der
amerikanischen Außenpolitik nicht überbewerten. Außenpolitik ist immer noch in
erster Linie Sache des Präsidenten, ganz besonders in Krisenzeiten. Und bei den
meisten diplomatischen Entscheiduned hat der Kongress sowieso kein
Mitspracherecht.
Wenn George W. Bush
entschieden werde, dass die Vereinigen Staten einseitig vom ABM-Vertrag
zurückträten, Könnte ihn kein Senator daran hindern. Joseph Biden kann auch
nicht die Blockadestrategie seines Vorgängers Jesse Helms imitieren und damit
drohen, seine Zustimmung zu Verträgen und Zahlungen an internationale
Organisationen zu verweigern, nur weil sie der Opposition nicht passen. Genau
gegen diese Art von Politik haben die Demokraten ja schließlich seit langern so
vehement gewettert.
Nichtsdestoweniger wird es
viele kleine und größere Akzentverschiebungen geben, mit denen ein demokratisch
beherrschter Senat das internationale Ansehen der Regierung Bush durch ein Mehr
an internationaler Zusammenarbeit und gegenseitiger Rücksichtnamen verbessern
wird. Unterstützung wird der Senat dabei vor allem von Colin Powells
Außenministerium gegen die harte Linie des amerikanischen
Verteidigungsministers Donald Rumsfeld bekommen. Dies gilt vor allem für
Fragen, die sich etwa um die Rolle Nordkoreas, Chinas, des Iraks oder um Fragen
der europäischen Verteidigungspolitik ranken.
Powell un das US Außen
ministerium sind weitaus kooperationsbereiter als ihre Kollegen im Pentagon.
Nur zu gut wissen die Diplomaten im State Department um die vielfältigen
Befürchtungen bei Amerikas Verbündeten und um die wrikliche öffenltiche Meinung
in Amerika, die den Vereinten Nationen und einer kooperative Diplomatie jeder
Zeit den Vorrang vor nationalen Alleingängen gibt.
In Handelsfragen wird Bush
mehr denn je die neue Mehrheit im Sneat mit in sein politisches Kalk¨l
einbeziehen müssen. Aber es werden vorrangig Fragen der Sicherheits—und
Verteidigungspolitik sein, bei denen der Senat seinen Einfluss ausüben wird.
Der Grund: Hier geht es um viel, sehr viel Geld. Möglicherweise bedeutet die
neue Mehrheit im Senat das Frühzeitige Aus Für Donald Rumsfelds neue, radikale
Verteidigungspläne für weltraumgestützte Waffensysteme und eine erdumspannende
Raketenabwehr. Ein änliches Veto des Sentas kann man sich auch für den Wunsch
des Präsidenten vorstellen, bis zum Jahr 2004 einseitig ein nationales
Anti-Rakentenprogramm zu realisieren.
Alles im allem: der
Entschluss James Jeffords, seine Partei zu verlassen, hält für die
amerikanische Bush-Administration eine—vielleicht generelle—Einsicht beriet:
Jeffords Parteiaustritt ist ein harter Rückschlag für die Regierung, die in ihm
einen Verbündeten zu sehen glaubte, auf dessen Treue man blind setzten konnte.
Ein sich in allzu größer Selbstzufreidenheit sonnender Präsident übersah dabei
jedoch, wie wichtig Verbündete f¨r ihn und zur Erreichung seiner Ziele auf
Dauer sind. Ist dies nicht genau auch die Lehre, die die Bush-Administration
mit Blick auf die Weltlage und ganz besonders die europäischen Verbündeten für
sich und die Zukunft ziehen sollte?
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